Man wäre geneigt, schon eine ältere Kapelle hier zu vermuten. Auf dem bei der Kapelle liegenden Acker ruhte einst die Verpflichtung, daß dessen Besitzer das Kirchlein zu betreuen und täglich darin Betzeit zu läuten hatte. Nach den Angaben im Vorbericht zu den Kapellenfondsrechnungen soll Hans Litschgi um 1660 diesen Acker mit den erwähnten Bedingungen zur Kapelle gestiftet haben. An der Errichtung des Kapellenfonds beteiligte sich mit einer größeren Stiftung auch der Vogt Johann Genter. Als die Gemeinde im Jahre 1831 den besagten Acker erwarb, um darauf das Armenhaus für die Meriansche Stiftung zu errichten, übernahm sie die auf ihm ruhende Verpflichtung der Kapellenbesorgung.
Auch diesem Kapellenfonds vermachte um 1840 Theresia Schrammberger geb. Trefzger ein ansehnliches Legat. Seit der Restauration von 1960 steht die Kapelle als schmuckvolle Zierde in der Landschaft.
Wenn der Weg der Beerdigungsprozession, welche früher vom Haus des Verstorbenen zur Kirche führte, an der Kapelle vorbeiführte, was bei allen Todesfällen im Enkendorf der Fall war, hielt der Zug vor der Kapelle inne, um ein Ave Maria für den Verstorbenen zu beten.
Die Kapelle wurde lange Zeit für die Feier der Stundenliturgie durch die in Wehr zum Beispiel im Krankenhaus und im Kindergarten St. Joseph tätigen Ordensschwestern vom Heiligen Kreuz aus Altötting benutzt. Nach der Abberufung der letzten Schwestern aus Wehr im Jahre 1991 finden in der Kapelle regelmäßig Messen und gemeinsame Gebete statt.
Quelle: "Wehr, eine Ortsgeschichte", Fridolin Jehle, Konstanz 1969